Digitalisierung eröffnet neue Wege für die Weiterbildung in Unternehmen. Die Nutzung von E-Learnings ist hier eine der wichtigsten Möglichkeiten. Wir haben in einem Video fünf Gründe für Sie gesammelt, warum dieses Thema auch für KMU immer attraktiver wird.

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Grund 1 ist die Flexibilität: E-Learnings können zu jeder Zeit und an jedem Ort genutzt werden. Das bringt sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Firma mehr Flexibilität in der Durchführung der Weiterbildungsmaßnahmen. Beispielsweise können E-Learnings auf unterschiedlichsten Endgeräten abgespielt werden. Ob auf dem Smartphone für unterwegs, mit dem PC am Arbeitsplatz oder auch zu Hause im Homeoffice. Die Inhalte können dabei jederzeit angepasst oder auch erweitert werden. Mitarbeitende können somit selbstständig neue Kompetenzen entwickeln, ohne an einen Schulungsraum oder an bestimmte Schulungszeiten gebunden zu sein.

Unser zweiter Grund ist der verhältnismäßig geringe Aufwand der Durchführung und die Kosteneffizienz. Gerade weil man für die Durchführung von E-Learnings keinen Schulungsraum und feste Schulungszeiten benötigt, sondern nur ein passendes Endgerät, können die Inhalte für eine große Anzahl an Mitarbeitenden sehr flexibel und immer wieder genutzt werden. Nachdem ein E-Learning erstellt wurde, kann jeder Mitarbeiter zu jeder Zeit darauf zugreifen, ohne aufwendig Termine und Räume zu planen. Das gilt beispielsweise auch für neue Mitarbeiter.  Aus Kostensicht benötigt ein E-Learning zwar zunächst eine gewisse Investition, ähnlich einer Software, aber danach kann die Lerneinheit immer wieder genutzt werden, weshalb die Kosten pro Teilnehmenden relativ gering sein können.

Grund 3: E-Learnings werden von Mitarbeitenden in modernen Unternehmen erwartet. Gerade für die jüngeren Generationen ist die Möglichkeit, sich kontinuierlich und selbstständig weiterbilden zu können, ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des zukünftigen Arbeitgebers. Damit wird digitales Lernen auch zu einer Frage des Employer Brandings. Ein innovative und moderne Unternehmenskultur bietet genau diese Möglichkeit, kontinuierlich neues Wissen aufzubauen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Unternehmen, die bei ihrer internen Weiterbildung auf digitale Lernformate setzen, immer gefragter werden. Unternehmen, die für ihre Mitarbeitenden und am Arbeitsmarkt attraktiv sein möchten, sollten sich mit digitalen Lernformaten beschäftigen.

Grund 4: Personalisierte Lernpfade. In E-Learnings können personalisierte Lernpfade integriert werden. Das bedeutet, dass die Inhalte individuell auf den Kenntnisstand der Lernenden angepasst sind. Das ist wichtig, um niemanden zu über- oder unterfordern, sodass niemand die Freude am Lernen verliert.

Und zu guter Letzt unser Grund Nummer 5: abwechslungsreich und interaktiv.  Bei E-Learnings können Lerninhalte in unterschiedliche Medien verpackt werden. Ein Lernender kann sich beispielweise durch kleine Spiele klicken, bei der die Wissensvermittlung nicht so offensichtlich und mit Spaß erfolgt. Interaktive Grafiken laden den Lernenden beispielsweise ein, mit seinem Maus Cursor oder dem Finger auf die Grafik einer Maschine zu klicken, um dort Informationen zu den einzelnen Bestandteilen zu erhalten. Mit Hilfe von Lernvideos können komplexe Zusammenhänge, z.B. zur Funktionsweise einer Lieferkette oder eines Produktionsprozesses im Rahmen von abwechslungsreichen aber ernst gemeinten Geschichten erzählt werden.
Damit wird ein Lernumfeld geschaffen, das im oft anstrengenden Lernprozess mehr Abwechslung, Interesse und somit auch Lernerfolg bringt.

Wichtige Begriffe rund um digitale Lernformate, die Sie schon einmal gehört haben sollten:

Lernplattform (Learning Management System – LMS)

Ein Learning Management System (LMS) ist eine Software, die alle Arbeitsschritte und Funktionen rund um die Weiterbildung in einem Unternehmen bündelt. Zu den typischen Funktionen eines LMS zählen Werkzeuge zur Erstellung von Inhalten, die Kommunikation mit Schulungsteilnehmern, die Verwaltung von Lerninhalten, die Koordination von Lernangeboten sowie die Beurteilung der Lernenden. Neben diesen umfangreichen Lösungen gibt es auch öffentliche Lernplattformen. Diese Plattformen bieten vor allem vorgefertigte Lerninhalte, die auf Basis von Nutzungsgebühren beispielsweise pro Mitarbeiter und pro Monat flexibel erworben werden können.

Blended Learning (integriertes Lernen; hybrides Lernen)

Bestimmte Themen, z.B. ein Wartungsprozess im technischen Umfeld, erfordern die Kombination von digitalen Lernformaten wie E-Learning und traditionellen Schulungseinheiten an einem bestimmten Ort mit einem Trainer, der direkt eingreifen kann. Diese Kombination nennt sich „Blended Learning“. Dabei wird die Flexibilität des digitalen Lernens mit den Möglichkeiten des echten „Ausprobierens“ und „Anfassens“ vor Ort zusammengebracht.
Eine Weiterbildung im Blended Learning Format könnte z. B. so aussehen, dass Lernende ein E-Learning auf ihren Smartphones und Tablets erhalten, um im Selbststudium theoretische Grundlagen zu lernen. Zu einem späteren Zeitpunkt kann der Praxisteil (z.B. Durchführung einer Wartung oder eines Kundenprozesses) dann in einem realen Umfeld stattfinden, beispielsweise an einer Maschine oder in einem Verkaufsraum. Mitarbeitende profitieren so beim Blended Learning vom flexiblen digitalen Lernen und vom persönlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und den Trainern, um ihr selbst erarbeitetes Wissen zu vertiefen.

Virtual Reality (Virtuelle Realität)

Bei VR-basiertem Lernen wird mit Hilfe einer Virtual Reality Brille eine echte Umgebung (z.B. ein bestimmtes Gebäude) für den Lernenden virtuell simuliert. Man kann sich das so in etwa wie einen Flugsimulator vorstellen, nur eben, dass man als Lernender durch die Brille selbst ein Teil der virtuellen Umgebung wird.  Dazu wird eine VR Brille und eine entsprechende Lern-Software benötigt. Der größte Vorteil dieser Form des digitalen Lernens liegt in der realitätsnahen Abbildung bestimmter Szenarien. Rollen- und Perspektivwechsel sorgen dafür, dass neue Situationen annähernd vollständig nachempfunden werden. Das sorgt für eine intensive Lernerfahrung. Virtual Reality wird oftmals eingesetzt, um Mitarbeitenden frei von Risiken und Gefahren auf neue Situationen vorzubereiten. Es können Situation wie das Arbeiten an einem neuen Fertigungsprozess in der virtuellen Realität nachgestellt und ausprobiert werden.

Augmented Reality (AR, erweiterte Realität)

Augmented Reality (AR) bietet eine weitere Möglichkeit des digitalen Lernens. Mit AR wird das reale Sichtfeld einer Person mit virtuellen Informationen in Form von Hinweisen oder Daten angereichert. Diese Anreicherung kann auf einer Augmented Reality Brille erfolgen, aber auch auf normalen Smartphones oder Tablets. Damit können Mitarbeitende direkt in ihrem Prozess unterstützt werden. Wenn beispielsweise die Instandhaltung einer Maschine ansteht, könnte ein Mitarbeiter sein Smartphone mit einer AR-App nutzen. Das Smartphone wird auf die Maschine gerichtet und die eingebaute Smartphone Kamera nimmt Bilder der Maschine auf. Nun werden die Bilder dem Mitarbeiter auf dem Smartphone angezeigt und mit weiteren Informationen z.B. zur möglichen Fehlerbehebung ergänzt. Ebenso möglich wäre es, dass bei einem Kommissionierungsprozess dem Mitarbeiter auf einer AR-Brille angezeigt wird, in welchem Regal eine bestimmte Ware sich befindet. Bei Augmented Reality Lernen verschmilzt somit die Realität mit virtuellen Zusatzinformationen.

Gamification

Gamification steht für die Idee des spielerischen Lernens. Dabei werden ernsthafte Lerninhalte so verpackt, dass nicht einfach formelle Lektionen vermittelt werden, sondern der Spieltrieb der Lernenden angeregt wird, um damit mehr Spaß und somit mehr Lernerfolg zu generieren. Gamification kann sehr unterschiedliche Ausprägungen haben. Eine Möglichkeit liegt in der Umsetzung tatsächlicher Spiele. Dabei wird ein echter Prozess eines Unternehmens (z.B. die Verpackung einer Ware) in einem Spiel simuliert. Der Lernende versteht auf diese Weise die Grundlogik eines Ablaufs und durch die Möglichkeit Punkte mit steigendem Schwierigkeitsgrad zu erhalten, kann die Motivation geweckt werden, sich immer weiter zu verbessern. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, selbst eintönige und komplexe Sachverhalte unterhaltsam zu vermitteln. Gibt es bereits E-Learnings im Unternehmen kann man Gamification auch nachträglich integrieren. Gamification kann in Learning Management Systemen z.B. auch in Form von Zertifikaten eingebaut werden. Wenn Lernende eine weitere Lerneinheit erfolgreich abschließen, können sie ein digitales Abzeichen erhalten. Dies kann auch zu einem gewissen Wettbewerbsgedanken zwischen den Mitarbeitenden führen, da ein Ansporn entsteht. Weitere Möglichkeiten der Gamification können auch digitale Lernbegleiter sein (sog. Avatare). Ein Avatar ist eine Art digitaler Moderator für ein E-Learning, der nützliche Hinweise, Zusammenfassungen und Hilfestellungen bietet.
Im Bereich der Leistungsabfrage kann Gamification auch klassische Prüfungen ersetzen, indem stattdessen interaktive Logik- und Quizspiele zum Einsatz kommen.

Kollaborationsplattformen

Kollaborationsplattformen wie zum Beispiel Microsoft Teams sind bereits in vielen Unternehmen etabliert. Darin kann man zeit- und ortsunabhängig an Aufgaben und Projekten arbeiten. In virtuellen Teams kann kommuniziert oder gemeinsam an Dokumenten gearbeitet werden. Aber wussten Sie schon, dass man diese Kollaborationsplattformen auch für digitale Weiterbildung nutzen kann? Die virtuellen Meetingräume können ein guter Ort für eine virtuelle Schulung sein. Teilnehmer können sich bequem von Zuhause in das Meeting einwählen und ein Trainer führt die gesamte Schulung virtuell auf einer solchen Plattform durch. Darüber hinaus bieten diese Plattformen auch die Möglichkeit, Lernmaterialien zu teilen oder bestimmte Aufgaben an die Teilnehmer zu kommunizieren. Häufig gibt es sogar die Möglichkeit Gruppenarbeit zu integrieren, z.B. über sogenannte Break-out Räume. Das sind virtuelle Räume, in welche sich Teilnehmer in Kleingruppen zurückziehen können, um gemeinsam eine Aufgabe innerhalb der Schulung zu lösen.

 

Vier wichtige Tipps zur Einführung digitaler Lernformate

  1. Gehen Sie systematisch vor und definieren Sie Ihre Ziele

Bevor Inhalte, Technologien und Methoden für das digitale Lernen ausgewählt werden können, muss zunächst geklärt werden, was mit der Weiterbildungsmaßnahme eigentlich erreicht werden soll? Geht es um den Aufbau einer eigenen Lern-Infrastruktur, um im Unternehmen dauerhaft das digitale Lernen zu verankern? Oder wollen Sie eine kleine Zahl an Mitarbeitern schnell zu einem konkreten Thema weiterbilden? Im ersten Fall würde es Sinn machen, ein eigenes LMS anzuschaffen und Ihre Personalabteilung damit zu beauftragen, fehlende und benötigte Kompetenzen in der Belegschaft zu definieren. Haben Sie Klarheit über Ihre vorhandenen und benötigten Kompetenzen, können Sie daraus die richtigen Inhalte und auch die richtige Art des Lernens ableiten. Außerdem ist es dringend notwendig für alle Mitarbeitenden ausreichend Weiterbildungstage pro Jahr zu ermöglichen.
Im zweiten Fall könnte es ausreichend sein, eine bestimmte Anzahl an Zugängen für eine der vielen vorhandenen Internet-Lernplattformen zu erwerben. Diese Plattformen bieten zu vielen Themen vorgefertigte Inhalte, die sozusagen von einem Tag auf den anderen sofort verfügbar sind.

  1. Kennen Sie Ihre Zielgruppe

Der Erfolg eines jeden Lernformates hängt stark davon ab, wie gut es auf die unterschiedlichen Zielgruppen zugeschnitten ist. Mitarbeitende können sich hinsichtlich des vorhandenen Vorwissens, der Motivation oder auch in der bevorzugten Art des Lernens unterscheiden. Auf diese Unterschiede gilt es auch bei der Gestaltung digitaler Lernmethoden zu achten. Eine Mitarbeitergruppe könnte beispielsweise eher Video-basierte Lerninhalte bevorzugen, wohingegen eine andere Gruppe womöglich lieber in Form von praktischen Aufgaben lernt.
Ebenso ist eine geeignete Sprache von großer Bedeutung. Gerade für Lerneinheiten, die sich an Praktiker richten, gilt es Anglizismen, Floskeln und zu theoretische Formulierungen zu vermeiden.

  1. Bauen Sie Berührungsängste zum digitalen Lernen ab

Gerade in Unternehmen, in denen bisher traditionelle Schulungsformate dominiert haben, ist es wichtig, Mitarbeiter mit den digitalen Lernformaten in der Anfangsphase nicht allein zu lassen. Nehmen Sie sich die Zeit, um Vorteile, Funktionsweise und praktische Tipps im Umgang z.B. mit E-Learnings an die Mitarbeitenden weiterzugeben. Sprechen Sie dabei auch Punkte an, die viele Mitarbeiter häufig beschäftigen. Hierzu zählt die Nutzung von Daten der E-Learnings oder auch die Auswertung von Leistungsbeurteilungen. Das schafft Akzeptanz und erhöht den Lernerfolg.

  1. Schaffen Sie die nötigen Voraussetzungen für digitales Lernen

Häufig scheitert die Einführung digitaler Lernformate bereits an einfachen Voraussetzungen, wie dem fehlenden Zugang zu Computerarbeitsplätzen oder daran, dass direkte Mitarbeitende keine Emailadressen in der Firma haben. Digitales Lernen braucht eine digitale Lernkultur, weshalb der Zugang für alle Mitarbeitende gewährleistet sein muss. Möglich wäre es auch, die Verwendung privater Smartphones und Tablets („Bring your own device) in Erwägung zu ziehen. Darüber hinaus gilt es auch zeitliche Budgets zu definieren, damit ausreichend Zeit für Weiterbildungsmaßnahmen während der Arbeitszeit vorhanden ist. In diesem Zusammenhang ist es ratsam, den Betriebsrat oder ähnliche Gremien frühzeitig in die Planungen für digitales Lernen mit einzubinden.

 

Weiterführende Links:

Digitale Bildung und E-Learning in der Aus- und Weiterbildung (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung KOFA):

https://www.kofa.de/dossiers/digital-aus-und-weiterbilden

Lebenslanges Lernen in Unternehmen: acatech stellt Good-Practice-Beispiele vor:

https://www.acatech.de/allgemein/lebenslanges-lernen-in-unternehmen-acatech-stellt-good-practice-beispiele-vor/

Lebenslanges Lernen fördern – gute Beispiele aus der Praxis:

https://www.acatech.de/wp-content/uploads/2020/02/acatech-DISKUSSION-„Lebenslanges-Lernen-fördern“.pdf

Digitale Bildung (Themenheft Mittelstand-Digital, BMWi):

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Digitale-Welt/themenheft-digitale-bildung.pdf?__blob=publicationFile&v=17

Aktionsplan für digitale Bildung 2021-2027 (Europäische Kommission):

https://ec.europa.eu/transparency/regdoc/rep/1/2020/DE/COM-2020-624-F1-DE-MAIN-PART-1.PDF